Börse 2.0 - Onlineportale verändern Sekundärmarkt

Dotcom-Blase im zeitlichen VerlaufDas Platzen der Dotcom-Blase ist mittlerweile mehr als 10 Jahre her. Die neu gegründeten Internet-Unternehmen konnten in vielen Fällen nicht den Erwartungen gerecht werden und viele davon sind heute bereits wieder in Vergessenheit geraten.

In den letzten Jahren sind die Unternehmensbewertungen von Web-Startups jedoch wieder in die Höhe geschossen. Manche der “Web 2.0”-Portale wie Twitter haben bisher noch kein erfolgreiches Geschäftsmodell etabliert (es dürfte jetzt jedoch in Richtung des Verkaufs von Daten gehen) und werden dennoch auf einen Wert von mehreren Milliarden Dollar geschätzt (konkret wurden angeblich schon 10 Milliarden Dollar geboten) — rein auf Basis des Potentials. Facebook ist schon weiter, hat 2010 einen Nettogewinn  von immerhin 355 Millionen Dollar erwirtschaftet und wird dafür schon von Investoren und Analysten mit über 50 Milliarden Dollar bewertet.

Die Warnungen vor einer neuen Dotcom-Blase 2.0 sind nicht zu überhören - den Investoren scheint das aber nicht wirklich große Sorgen zu machen. Sie sind auch vom dauerhaften kommerziellen Erfolg überzeugt. Was bei Facebook durchaus realistisch erscheint muss jedoch nicht für alle Plattformen gelten.

Interessant ist aber auch, wie diese Unternehmen gehandelt werden. Während sich der Xing-Konkurrent LinkedIn offiziell auf einen Börsegang vorbereitet, scheuen andere Unternehmen noch vor diesem Schritt zurück. Mit dem öffentlichen Handel an der Börse sind zusätzliche Offenlegungspflichten und Einschränkungen in der Unternehmenspolitik verbunden. Mit einem Börsegang gehen viele Vorteile eines dynamisch Startups mit schnellen Entscheidungsprozessen verloren. Shareholder-Value wird dann mitunter wichtiger, als die urprüngliche Vision hinter dem Unternehmen. Um dennoch an Kapital zu kommen, werden Unternehmensanteile über den Sekundärmarkt gehandelt.

Die Aktien der Unternehmen werden nicht öffentlich, sondern nur privat gehandelt. Diese gehen dabei direkt vom Vorbesitzer zum Käufer über. Ein Großteil der verfügbaren Aktien ist dabei momentan in Händen von Mitarbeitern der Unternehmen. Diese handeln ihre Anteile - passend dazu, dass es sich ja um Mitarbeiter von Internetunternehmen handelt - über neue Onlineportale.

Dabei haben sich SecondMarket und SharesPost als führende Anbieter hervorgetan. Die Sekundärmarkt verändert sich, es kommen neue Handelsplattformen 2.0 hinzu. Diese verdienen ihr Geld über Provisionen, etwa 3 bis 5% sind dabei üblich. Besonders begeht sind derzeit vor allem Facebook, Twitter, Groupon, Zynga (nicht jedem bekannt, und dennoch mit 7-9 Milliarden bewertet), Dropbox und LinkedIn. Wie lange das so sein wird, und ob wir nach der Börse 2.0 auch eine Blase 2.0 sehen werden, wird die Zukunft zeigen …

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10.04.2011